Gerwald von Eisenhardt

Ein Adliger aus Belfort und ehemaliger Ermittler der Stadtwache, dessen Schicksal ihn auf die Burg Ravenhall verschlagen hat.

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Bio:

„Hier, so heißt es, habe der Wind eine Seele und pfeife heulend durch die Stadt, weil das, was er dort findet, ihn mit Trauer erfülle.“

„Irgendwelche Neuigkeiten?“
Der Wachposten erschauerte, als ihm plötzlich Gerwalds Präsenz neben ihm gewahr wurde.
„Auf den Straßen keine, aber Hauptmann Eckhardt will mit Euch sprechen.“
Obwohl Gerwald nun doch schon seit guten vier Jahren bei der Wache war, hatte niemand kameradschaftliche Bande zu ihm geknüpft, die meisten fühlten sich unwohl in seiner Gegenwart, sein ganzes Auftreten, seine Körperhaltung hatte etwas subtil bedrohliches, deshalb wurde er auch immer mit vorsichtigem Respekt behandelt.
„So, will er das?“
Gerwald rückte seinen Schal zurecht, dann ließ er die Hände wieder in die weiten Taschen seines dunklen Ledermantels sinken, bevor er sich langsam abwandte. Noch während er die ersten Schritte in Richtung Zeughaus setzte, konnte er hören, wie die Wache hinter ihm erleichtert aufatmete.
Narren waren sie doch alle in der Wache, jedem fehlte der Blick auf die wichtigen Dinge, aber immerhin behandelten sie ihn als Autorität und ließen ihn in Ruhe.
Ein leichter Schneefall setzte ein, als er die Tür zum Zeughaus erreichte. Gerwald machte sich nicht die Mühe zu klopfen oder seine Ankunft anzukündigen, belanglos stieß er die Tür auf und trat ein. Er sah, wie der Hauptmann überrascht die Augen in seine Richtung wandte und er zu einer Bemerkung ansetzte, doch sofort verstumme, als Gerwald ihn mit seinen eisblauen Augen fixierte.
„Ihr wollt mich sprechen, Hauptmann?“
Gelangweilt ließ Gerwald seinen Blick durch den Raum schweifen. Sofort fiel ihm der große Stapel Brennholz neben dem lodernden Feuer im Kamin auf. Wie jämmerlich, beim ersten Anflug von Kälte verzogen sich die Menschen in ihre Bauten und scharten sich um jedes noch so kleine Feuer, unfähig auch nur etwas kühle Luft zu vertragen.
„Nun, Gerwald, es geht um folgendes, deine…“
Es war ein einfacher und schneller Blick, eiskalt, der den Hauptmann mitten im Satz innehalten ließ.
Gerwald sah wie er kurz mit der Fassung rang, er konnte direkt erkennen, wie liebend gern Eckhardt den Raum sofort verlassen hätte, nur um von ihm wegzukommen. Es verschaffte ihm eine gewisse Genugtuung dafür, dass ihm der gebührende Respekt nicht entgegenbracht wurde.
Der Hauptmann atmete einmal tief durch, bevor er erneute ansetzte, den Blick gesenkt.
„Entschuldigt, eure Fähigkeiten werden gebraucht. Ihr erinnert euch sicher an Rothgar, oder?“
„Ihr meint den Kindermörder, den ich gefangen habe und der morgen gehenkt werden soll?“
„Ja… er hat eine Kerkerwache getötet und ist entkommen…“
Gerwald schnaubte verächtlich.
„Gut, ich kümmere mich darum, ich fürchte die Hinrichtung morgen wird abgesagt werden müssen.“
Der Hauptmann wirkte auf Gerwalds Worte verwirrt.
„Ihr meint Ihr werdet länger brauchen?“
„Nein, ich werde nur dafür sorgen, dass er kein weiteres Mal entkommen kann.“
Ein Lächeln bildete sich auf Gerwalds Lippen, und dieses Mal konnte er zumindest ansatzweise verstehen, warum sich der Hauptmann dringend anderen Aufgaben zuwandte.
Ohne ein weiteres Zögern durchquerte er den Raum, öffnete die Eichentür und trat wieder in den Schnee hinaus. Der Wind hatte inzwischen aufgefrischt, es war noch kälter geworden und er konnte sehen, wie sich die Wache von ihrem Posten gelöst hatte, um sich in einen Hauseingang zu ducken, der wenigstens etwas Schutz vor dem Wetter lieferte.
Gerwald lehnte sich neben der Tür an die Wand des Gebäudes, er sog die kalte und scharfe Luft in tiefen Zügen ein, bevor er die Augen schloss. Rothgar, langsam rief er sich das Bild des Hünen ins Gedächtnis, in Gedanken ging er dessen Verfolgung noch einmal durch, bis ihm ein Detail hängen blieb. Rothgar humpelte, als er abgeführt wurde, es kostete ihn nur kurze Zeit, sich daran zu erinnern, wie der Mörder auf der Flucht die Treppe hinabstürzte und sich den Fuß an einem hervorstehenden Nagel aufschlitzte.
Gerwald lachte auf. Es war so einfach, die Wunde war sicher nicht behandelt worden, also würde der Hüne nicht weit kommen, sicher würde dieser tumbe Geist einen nahen Heiler aufsuchen, sicherlich einen Kurpfuscher, an andere würde er sich nicht herantrauen. Wenn man bedachte, dass es in der Nähe des Kerkers nur einen Kräutersammler gab, war es fast zu leicht.
Langsam öffnete er erneut die Augen, er strich den Schnee von seinem Mantel, der sich auf den Schultern angesammelt hatte und marschierte durch den schneidenden Wind los. Der Weg war weder besonders lang, noch anspruchsvoll, auch waren die Straßen angesichts des Wetters wie leergefegt. Es dauerte nicht lange, bis er die kleine Kaschemme, die sich in den Schutz der größeren Häuser duckte, erreichte. Er musterte die Hütte nur kurz, schlecht gebaut und altersschwach würde sie den kommenden Schneemassen wohl kaum widerstehen können, doch das interessierte ihn wenig. Unbekümmert griff seine Hand zur Tür auf die jemand in ungelenker Schrift „Heiler Arngard“ gepinselt hatte, eine nutzlose Geste, wenn man bedachte, dass der Pöbel, der diesen Pfuscher aufsuchte, nicht lesen konnte. Gerade als er die Tür aufstoßen wollte stieg ihm ein wohlbekannter Geruch von Eisen in die Luft, der ihn innehalten ließ. Natürlich, wer so verzweifelt war wie Rothgar, dem war ein Menschenleben schon gleichgültig, vor allem, wenn dieser Mensch ihn verraten würde. Es war eine kühle Schlussfolgerung, in Gerwalds Gesicht fand sich keine Spur von Trauer oder Bedauern, Arngard hätte den Winter wohl kaum überlebt, somit hatte er es an sich besser getroffen, so war ihm Kälte und Entbehrung erspart geblieben.
Gerwald fokussierte seine Willenskraft, ein rascher Akt der Konzentration, mit dem er seine Macht in Richtung des Hauses lenkte. Vor seinem geistigen Auge schärfte sich sein neuer Sinn, mit dem er jede Bewegung in der kleinen Hütte wahrnehmen konnte. Beinahe sofort spürte er die ungelenken Bewegungen des Hünen. Gerwald war überrascht, soviel Aufmerksamkeit hatte er dem Gewaltverbrecher nicht zugetraut zu haben, doch er schien ihn wirklich bemerkt zu haben. Er spürte, wie er sich hinter der Tür in Position brachte, um ihn beim Betreten des Hauses zu erledigen.
Simpel, aber für Rothgars Situation und dessen tumben Geist immerhin noch gut überlegt. Nun, dann wurde es Zeit, dem Mörder seine Strafe zuzuführen…
Gerwald atmete noch einmal kurz durch, während er in Gedanken schon die zukünftige Form seiner Macht hervorrief, dann stieß er die Tür auf. Gerwald hatte die Augen geschlossen, doch schon im kleinsten Ansatz spürte er die Bewegung der Keule, die sich auf seinen Kopf zubewegte. Eine einfache Geste vollführend streckte er die linke Hand aus, in wenigen Augenblicken formte sich ein Schild aus Eis vor dem Mentalisten, gebildet aus dem umherstiebenden Schnee, den der Wind durch den Hauseingang blies.
Er hörte den dumpfen Aufprall der Keule auf seine Barriere, der nicht mehr als ein paar Splitter aus dem Eis löste, gefolgt von einem überraschten Aufschrei, als dem Angreifer die Keule durch die eigene Wucht aus der Hand gerissen wurde. Langsam atmete Gerwald aus, bis er beim Klang der ersten Schritte die Augen ruckartig aufriss. Rothgar hatte sich zur Flucht gewandt, doch sinnlos. Gerwald streckte die rechte Hand dem Fliehenden hinterher, mit seinen Fingern vollführte eine Bewegung, als ob er etwas festhalten würde, gleichzeitig schlossen sich seine mentalen Kräfte um den Mörder und hielten ihn wie durch unsichtbare Fesseln gefangen. Ein erstickter Schrei entrang sich Rothgars Kehle.
Achtlos ließ Gerwald sein Schild erneut in Schneeflocken zerstieben, die sacht zum Boden der Hütte sanken. Gemächlich bewegte er sich auf seinen Gefangenen zu, ohne weiter darauf zu achten stieg er über die Leiche des Heilers hinweg, die, wie erst jetzt sah, in der Mitte des Raums mit zertrümmerten Schädel und einem Stich in der Brust neben einigen Kräutern lag, bis er schließlich wieder vor Rothgar stand.
„Vierfacher Mord, versuchter Mord, Widerstand gegen die Stadtwache, Flucht. Eine beeindruckende Liste.“
Er sagte das ohne Anklage oder Emotion, es war eine einfache Feststellung.
Langsam knöpfte er seinen Mantel auf, unter dem über der Brust gekreuzt zwei Gürtel mit Wurfdolchen zum Vorschein kamen, während er fortfuhr.
„Ich werde keine weiteren Taten zulassen und verurteile euch hiermit zum sofortigen Tode.“
Gerwald konnte die Angst in den Zügen des Mörders sehen, doch es interessierte ihn nicht. Eine weitere Willensanstrengung, eine Geste und zehn Dolche lösten sich aus ihrer Halterung und schwebten um ihn herum in der Luft. Der Mentalist fixierte den Hünen mit einem letzten Blick, bevor er eine wegwerfende Handbewegung machte, im gleichen Moment schossen die Dolche nach vorn und schlugen im Körper des Verurteilten ein.
Gerwald hatte sich indes umgedreht, im Hinausgehen löste er die magischen Fesseln und hörte hinter sich nur noch die Leiche zu Boden fallen. Ein einfacher Auftrag, ein schnelles Ende. Es war just in diesem Moment als er eine Bewegung im Augenwinkel wahrnahm, das Aufblitzen einer silbernen Klinge. Wie er sich doch für seine Torheit schelten könnte! Natürlich war es Rothgar nicht allein gelungen zu entkommen, spätestens am Stich in der Brust des Heilers hätte er es merken müssen, der grobe Schlächter verwendete keine so filigranen Waffen.
Es lag nicht daran, dass Gerwald den Angriff zu spät bemerkt hatte, sein Gegner war einfach zu schnell. Die Klinge stieß zu, ein gekonnter Ausweichschritt hätte ihn vor der Klinge bewahrt doch hatte er dies zu spät erkannt, mitten in der Bewegung spürte er einen stechenden Schmerz in der Brust, wenigstens hatte der kalte Stahl sein Herz verfehlt.
Sterne tanzten im Blickfeld des Mentalisten, ein Schmerzensschrei erfüllte die Gasse, mit einem letzten Schlag versuchte er den Angreifer zu treffen, dann wurde sein Blickfeld schwarz und er sank in eine gnädige Ohnmacht.

Das erste, was Gerwald spürte, war diese unerträgliche Hitze um ihn herum. Es dauerte, bis sich seine Sinne wieder einigermaßen schärften, aber langsam wurde seine Wahrnehmung weder klarer. Er spürte weiche Laken um sich, gleichzeitig jedoch auch einen pochenden Schmerz in seinem Rücken. Das Prasseln eines Feuers drang an sein Ohr, schließlich schlug er die Augen auf. Zuerst war er geblendet, dann klärte sich auch langsam seine Sicht. Er starrte an eine einfache Holzdecke, nur unter einigen Mühen und Schmerzen konnte er sich aufrichten, um den Raum zu überblicken. Er lag fein säuberliche zugedeckt, in einem einfachen Bett, das Zimmer um ihn herum war schlicht und karg, nur ein kleiner Feuerkorb stand neben seiner Liege, daneben eine Wasserschüssel sowie einige Kräuter und Verbände. Was war genau geschehen? Die Erinnerung war verschwommen, doch wie sehr er sich auch bemühte den Schleier von ihr zu reißen, diese vermaledeite Hitze ließ ihn sich nicht konzentrieren. Er schlug die Decke zurück und richtete sich schwer atmend auf, das Pochen im Rücken wurde stärker, taumelnd schritt er zu den verschlossenen Fensterläden, die er mit viel Mühe aufriss. Plötzlich umströmte ihn kühle Luft, die kalte Umarmung des Winters. In tiefen Zügen atmete er die frische Luft ein, sein Geist wurde mit jedem Ausatmen klarer, und damit kehrte auch die Erinnerung zurück. Rothgar, sein Ende, dann die Unachtsamkeit, der Stich… daher das Pochen. Aber was war danach passiert? Wie kam er hierher?
Wie als Antwort schwang die Tür in seinem Rücken auf.
Er hörte einen erschreckten Aufschrei, als er die Frau, die sich wohl um in kümmerte, ihn am offenen Fenster stehen sah.
„Sie sollten im Bett liegen, die Kälte wird ihnen nur Schaden!“
Sie bewegte sich in Richtung des Fensters, um es erneut zu schließen, doch Gerwald versperrte ihr den Weg.
„Das Fenster bleibt offen, die Hitze hier im Raum ist erdrückend. Was ist genau passiert?“
„Ich muss protestieren, Sie sind schon krank genau, der Wind…“
Er deutete ihr mit einer Handbewegung zu Schweigen.
„Ich habe gefragt, was passiert ist.“
Die Pflegerin war von Gerwalds kühler und beherrschender Art eindeutig irritiert, kurz fing sie sich wieder doch als sie zum erneuten Protest ansetzte, deutete Gerwald ihr nur an, sich auf das Bett zu setzen.
„Ich habe eine Frage gestellt, was ist geschehen?“
Die Frau, die jetzt endgültig jeden Widerstand aufgegeben hatte, begann zu erzählen.
„Nun, ihr wart blutüberströmt und…“
„Von Anfang an, keine Ausschweifungen bitte, nur Fakten.“
Die Dame schluckte, ihr gefiel nicht, wie objektiv ihr Patient damit umging, aber schlussendlich resignierte sie.
„Radolf war auf Patrouille in den Straßen unterwegs, als er einen Schrei hörte. Vor Ort sah er Euch zu Boden sinken, hinter euch einen Mann mit blutigem Dolch, er setzte nach vorn und erledigte den Unbekannten mit einem Streich, dann brachte er Euch hierher, ihr hattet einen Stich in die Lunge erlitten.“
„Gut, wie lange bin ich schon hier?“
„Zwei Wochen.“
Zwei Wochen? Verdammt, diese Unachtsamkeit hatte ihn viel gekostet.
„Meine Sachen?“
„Hängen im Nebenraum zum Trocknen, wir haben sie mehrmals gewaschen um das Blut herauszubekommen.“
Gerwald nickte nur kurz, dann wandte er sich vom Fenster ab, ging noch immer unsicheren Schrittes durch den Raum unter den ungläubigen Blicken der Pflegerin zur Tür. Er hielt am Türrahmen inne, um Atem zu schöpfen, erst dann setzte er seinen Weg zum nächsten Raum fort, wo er seine Kleider von der Wäscheleine nahm und sich rasch anzog. Auf dem Weg zur Eingangstür des Hauses passierte er noch einmal sein ehemaliges Krankenzimmer, wo die Frau noch immer recht verstört am Bett saß.
„Sagen Sie mir, wenn Sie wissen, was Sie für die Behandlung bekommen, ich lasse es Ihnen dann zukommen.“
„Wo gehen Sie hin?“
„Ich denke, dass liegt nicht in Ihrem Interesse.“
Mit diesen Worten wandte er sich wieder ab, er brauchte einige Zeit, um die Treppe zu bewältigen, erst als er durch den Eingang in die frische Winterluft hinaustrat wurde sein Gang wieder sicherer.
Er musterte die Straße, dreckiger Schnee lag in großen Mengen an den Rändern der engen Gasse, scheinbar war der erste Schneefall sehr ausgiebig gewesen, inzwischen hatte sich das Wetter aber verbessert, er konnte die Sonne matt leuchtend hinter einer leichten Wolkendecke erkennen, er schätzte, es musste gegen Mittag sein.
Wo war er genau? Nachdem er seinen Blick kurz schweifen ließ konnte er in der Ferne die Spitzen der beiden Türme der Festung ausmachen, das bedeutete, er musste irgendwo am anderen Ende der Stadt sein, ansonsten nahmen die Türme jedes Stadtbild ein. Dazu müsste er noch immer in der Nähe des Kerkers sein, wenn er jetzt noch bedachte, dass die beiden Spitzen sich beinahe überlappten, war es einfach festzustellen, dass er sich irgendwo im westlichen Handwerksviertel befinden musste.
Nun, er würde dem Hauptmann wohl Meldung erstatten müssen, deshalb setzte er sich in Richtung des Zeughauses in Bewegung. Der Weg war nicht sonderlich lang, jedoch noch immer kräfteraubend für Gerwalds Zustand. Nach einem geschätzten halben Glockenschlag stieß er die Tür zur warmen Wachstube auf.
In der Wachstube selbst herrschte reger Betrieb, es dauerte einen Moment, bis er den Hauptmann erblickte.
Langsam schritt er auf ihn zu, der Hauptmann bemerkte ihn erst, als er direkt neben ihm stand, er wirkte sehr überrascht.
“Hauptmann, melde mich ab morgen zum Dienst zurück.”
Mehr sagte er nicht, bevor er sich wieder zur Tür wandte.
„Du könntest Radolf wenigstens dankbar sein!“
Sämtliche Geräusche verklangen plötzlich im Raum, als Gerwald sich in Türrahmen umdrehte und den Sprecher fixierte.
„Ich soll ihm dankbar sein?“
In seiner Stimme lag kein Ärger, keine Wut, er sprach kühl und überlegt. Er wusste, dass seine Rettung Glück war, doch auf Glück konnte er sich nicht verlassen, es war ein Fehler seinerseits gewesen, der ihn in diese Misere brachte. Er hatte einen Fehler gemacht und den Preis dafür bezahlt, mehr gab es dazu nicht zu sagen, der Wachmann hatte nur seine Aufgabe im Dienst durchgeführt.
„Weil er seine Pflicht erfüllt hat?“
Gerwald ließ seinen Blick schweifen, von einer Wache zur anderen, und jede senkte den Kopf, als er seine Aufmerksamkeit kurz auf sie richtete.
„Hat mir irgendjemand gedankt, als ich den Mörder festgenommen habe? Oder den Dieb? Habe ich nach Dank verlangt? Nein, aus einem Grund: Ich habe meine Aufgabe erfüllt, meine Pflicht getan. Ich schulde niemanden Dank, der seine Pflicht erfüllt.“
Auch wenn nicht alle seiner Meinung waren, wagte es niemand zu widersprechen. Sie hatten Gerwald nie wütend oder verärgert gesehen, aber jeder spürte, wie die sonst so untertönige Bedrohung, die er ausstrahlte, beinahe greifbar wurde.
Gerwald wartete noch kurz, ob irgendjemand nicht doch das Wort erhob, doch als niemand dies tat, verließ er endgültig das Zeughaus, hinaus in den Winter der Stadt Belfort.

Gerwald von Eisenhardt

Anima: Eternal War Ikit